La Dolce Vita Vegana (Vegan in Mailand)

Nachdem ich auf den letzten drei Reisen nördlich der Schweiz unterwegs war (Kopenhagen, London und München), war es mal an der Zeit, den (nahen) Süden etwas zu entdecken. Aus diesem Grund zog es mich über Auffahrt nach “Bella Italia” – genauer gesagt nach Mailand.

Mit dem Zug ist man ab Bern oder Zürich in ungefähr vier Stunden dort und kann während der Reise ausserdem gleich noch die schöne Gegend des Tessins (respektive des Wallis, wenn man via Bern reist) kennenlernen – zumindest aus dem Fenster heraus.

Trotz der Nähe zur Schweiz war ich in Milano erst einmal (vor langer Zeit als Jugendlicher). Ich konnte mich vor der erneuten Reise jedoch nur noch vage an die Stadt erinnern. Damals war mir vor allem die dreckige, graue und laute Erscheinung dieser italienischen Metropole aufgefallen. Hoffentlich handelte es sich dabei lediglich um die apokalyptischen Gedanken eines Pubertierendens…

Und tatsächlich: Die Stadt war viel grüner und entspannter als ich sie in Erinnerung hatte. Gut, wir haben uns für die Tage auch im sehr schönen Navigli Quartier eingenistet, wo man übrigens auch regelmässig das Vegan-Symbol an Cafés oder Restaurants entdeckte.

Meinen ersten veganen Aufsteller hatte ich bereits beim ersten Gang in den Supermarkt: Eigentlich wollten wir ja nur Wasser kaufen, aber da stiess ich im Carrefour Express neben Reis-, Soja- und Mandelmilch, veganen Joghurts etc. vor allem auf eine riesige Auswahl an veganen Eissorten.

Was für eine Auswahl an veganem Eis in einem so kleinen Supermarkt!

Neben Sorbets und Sojarahm-Eis fand ich vor allem auch an den Cornets, Kaffe-Becher und veganen Eis-Sandwiches von Valsoia gefallen. So eine grosse Auswahl in einem zufälligen, eher kleinen Supermarkt hatte ich definitiv nicht erwartet.

Das erste Restaurant, das wir anvisierten (die vegane Restaurant-Kette «Universo Vegano», welche mittlerweile Filialen in ganz Italien hat), war leider gerade in einer Art Besitzerwechsel drin und konnte leider keine veganen Snacks anbieten, sondern nur/immerhin einen Latte Macchiatto mit Mandelmilch.

Erst im «Be Bop» (als Jazz-Anhänger mochte ich natürlich die Anspielung auf den Musikstil) wurden wir fündig, obwohl ich dort nicht minder verwirrt war: Und zwar hatte ich am ersten Abend noch keine Lust auf Pizza, sondern wollte eigentlich ganz traditionell zuerst einen Primo (erster, kohlenhydratbetonter Gang) bestellen, gefolgt von einem Secondo (proteinreicher, zweiter Hauptgang). Doch auf der Karte stand jeweils nur etwas von Appetizer, Entrée oder Side Dish, weshalb ich halt neben meinem Seitan-Schnitzel nach Milanese Art noch einen gemischten Salat und Bratkartoffen mit Rosmarin dazu bestellte.
Dumm nur, dass zwei Gerichte absolut gereicht hätten und ich mich am Schluss fast etwas quälen musste, da ich Foodwaste um jeden Fall verhindern wollte. Abgesehen davon war jedoch das Essen sehr schmackhaft und auch die Pizzen (inkl. homemade vegan Cheese) meiner Freund*innen waren äusserst lecker.

Platz hatte es weder auf dem Foto, noch in meinem Magen (die Bratkartoffeln sieht man nur knapp an der linken Seite). Hungern musste im Restaurant Be Bop jedenfalls niemand.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich zwar immer noch relativ voll, aber wie immer, wenn ich für Veganaut unterwegs bin, hiess es «The Show must go on»! 😉
So landeten wir in einem kleinen Café im Süden Mailands namens «Açai Sisters», welches mit seinen Marmortischen und knalligen 80er Farben sehr retro-chic aussah. Dort bestellten wir verschiedene Frühstück Bowls, welche gut schmeckten, jedoch auch recht süss und vor allem ziemlich kalt waren (eigentlich typisch für die italienische Gastronomie, also dass man schon am Morgen Gelati aufgetischt erhält…).

Meine Smoothie (Gelati?) Bowl nannte sich Tropic Thunder und enthielt eine Mischung aus Mango, Banane, Ananas, Granola und Leinsamen.

Nach dem obligaten Fotografieren des Doms (Tipp Nr. 1: Morgens um halb neun hat es praktisch keine Leute und man muss nicht mehrere Stunden anstehen. Tipp Nr. 2: Unbedingt auf den Dom hinauf gehen! Denn: Wie häufig kann man auf einer Kathedrale hin und her spazieren und die Aussicht geniessen?!) ging es Richtung Norden, wo wir Mittagessen gehen wollten. Eine bezaubernde Strecke ist über die Via Croce Rossa und die Vie dei Giardini, wo alles schön grün ist (und ich mein urspüngliches Bild vom grauen Mailand endgültig begraben musste/durfte).

Unser Ziel hiess «Mantra Raw Vegan» – ein komplett veganes Rohkost-Restaurant. Mit “raw” ist es ja so eine Sache: Ich habe noch nie mittelmässige Rohkost erlebt. Entweder ist es genial (Kopenhagen!) oder es ist ziemlich ungewohnt bis hässlich.
Wir wurden zum Glück dieses Mal nicht enttäuscht (höchstens hinsichtlich der Quantität): Die hausgemachten Ravioli des Tages mit Koriander-Basilikum-Pesto waren echt himmlisch und selbst die Raw Pizza schmeckte überzeugend gut (besonders dafür, dass der Teig nicht wirklich gebacken wurde). Mindestens genauso gut waren jedoch die Dessert-Variationen (drei verschiedene Cheesecake-Varianten, Raw-Pancakes, Raw-Brownie und ein Tiramisu wurden gekostet).

Mantra Raw Vegan – Einer der kulinarischen Höhepunkte der Reise
Der Himbeer-Rose-Cheesecake sowie jener aus dunkler Schokolade waren göttlich. Selbst die Raw Pancakes (Pakes) waren erstaunlich gut.

Danach lustwandelten wir durch den Giardini Pubblici Indro Montanelli, wo man in einem etwas dreckigen Teich zahlreiche Wasserschildkröten anschauen kann. Etwas später kamen wir noch an dem Schuhladen «Walter» vorbei, wo man einige vegane Schuhmarken entdecken konnte.

Abends hatten wir dann Lust auf einen Burger, weshalb wir das «Flower Burger» im aufstrebendem Tortona-Viertel anvisierten. Dort gab es verschiedene vegane Burger mit Pommes zu verzehren. That’s it! Kein Schnick-Schnack oder so.
Aber die Burger waren echt ziemlich gut, besonders der Namensvetter des Restaurants sowie der Cherry Bomb Burger überzeugten (während der Ocean Burger etwas abfiel, jedoch mit der krassen Brötchen-Farbe ein echter Hingucker war).

Kann man mit Burgern einen Regenbogen imitieren? Ja, man kann (zumindest einen halben)! 😀

Später am Abend genossen wir dann noch den einen oder anderen sehr überzeugenden Cocktail im sehr stilvoll eingerichteten «Botanical Club of Milano», wo man übrigens auch vegane Gerichte auf der Karte findet.
Ausserdem möchte ich noch die äusserst innovative, selbsternannte „kleinste Bar der Welt“ erwähnen. Bei der BackDoor43 im Herzen von Navigli kriegt man nämlich nur Cocktails-to-go und sieht den Barkeeper gar nicht, sondern nur dessen Hände durch einen schmalen Türspalt, wo die Drinks entstehen.
Ich finde, es sollte mehr solche kreativen Konzepte in der Gastro-Welt geben – auch in der Schweiz.

Tut nichts zum (veganen) Thema, aber definitiv eine lustige Erfahrung! 😉

Und wenn wir schon beim obligaten (!) Veganaut-Blog-Exkurs sind, möchte ich dieses Mal auf die Architektur zu sprechen kommen – immerhin gibt es in Mailand eines der faszinierenstend Wohnprojekte der letzten Jahre: Die Bosco Verticale (dt. senkrechter Wald).
Dieses monumentale, grüne Bauwerk, welches über 2000 Pflanzen und Bäume beherbergt, fasziniert so ziemlich jede Person, die den zwei Wohntürmen gegenüberstehen – egal, ob nachhaltiger Öko oder 0815-Tourist. Auch hier würde ich mich äusserst freuen, wenn solche Projekte auch in der Schweiz realisiert würden (lieber Herren Herzog & de Meuron…). Das Vogelgezwitscher, welches von den verschiedenen Balkonen herunterschallte, war einfach verzückend.

Make architecture green again!

Am Mittag gab es dann Sushi im «Zushi», wo man ein leckeres veganes Lunch Menü sowie einen Chocolate Cheesecake bestellen kann. Tipp: Einfach nicht das Ramune (eine Art japanische Limo) bestellen, welches wohl eine der bescheurtsten (punkto Funktion) Getränkeflaschen ist, die die Welt je erblickt hat.

Sushi bei Zushi…

Am Nachmittag wollten meine Freund*innen dann noch shoppen gehen. Da ich jedoch keinen Fair Fashion Shop in der Einkaufsstrasse rund um die Corso Buenos Aires gefunden habe, zog ich mich in das Café «Radicetonda» zurück, wo ich mir eine vegane Linzertorte gönnte (obschon ich gestehen muss, dass „gönnen“ wohl der falsche Ausdruck ist; angesichts der Tatsache, dass ich mir ja pausenlos etwas Süsses reinzog ;-)).

Die grosse vegane Auswahl im Bistro Radicotenda.

Am letzten Abend hiess es dann noch einmal Pizza-Time (gefolgt von Gelati-Time)! Per Zufall liefen wir dem Restaurant «Organic – Pizza And Food» (ist denn Pizza kein Food?) über den Weg, wo auch alle Veganer*innen unter der Reisegruppe was Schmackhaftes fanden. Das ist das Schöne an Italien: Meistens findet man in so ziemlich  jeder Pizzeria (und Gelateria) irgendwas Veganes.

Ich wählte die Pizza Marinara mit zusätzlich noch Steinpilzen und Rucola.

Und dann war die (kulinarische) Reise auch schon fast vorbei…

Echt eine sehr gelungene Überraschung, diese Stadt, die doch eigentlich so nah an der Schweiz liegt und nur in meiner Erinnerung ein heruntergekommener Moloch mit überfüllten Shopping-Strassen war.

La Dolce Vita Vegana, würd ich sagen. 🙂

–> Veganaut-Karte von Mailand <–

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